Geschichte vor Ort begreifen

Die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Mittelschule Schöllnach und Klassenlehrerin Petra Grübl besuchten vergangene Woche Schloss Hartheim sowie das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich.

In der Euthanasieanstalt Schloss Hartheim wurden in den Jahren 1940 bis 1944 ca. 30 000 Menschen ermordet, die in den Augen der Nationalsozialisten als „lebensunwert“ eingestuft wurden. Dazu zählten Menschen mit Körperbehinderungen, mit psychischen Behinderungen bzw. mit Lernschwierigkeiten ebenso wie Zwangsarbeiter und arbeitsunfähige Häftlinge aus umliegenden Konzentrationslagern wie Mauthausen oder Dachau. Seminarrektor Franz Wimmer, der zum Thema Gedenkstättenpädagogik im Rahmen der Lehrerausbildung mit seinem Mittelschulseminar die Schulklasse begleitete, gelang es, die Verbindung zwischen Schloss Hartheim und dem Landkreis Deggendorf aufzuzeigen. Denn auch Patienten aus der Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen wurden damals nach Hartheim verlegt und dort umgebracht. Die Konfrontation mit einigen Einzelschicksalen, die ihr Leben in Schloss Hartheim verloren, machte die schwierige Thematik für Lehrer wie Schüler begreifbar und alle Beteiligten gleichermaßen betroffen.

Im Anschluss daran besichtigte die Gruppe das Konzentrationslager Mauthausen. Die Teilnehmer konnten zunächst den Weg eines Häftlings von der Ankunft bis zum Tod „nachgehen“. Dabei erfuhren sie von den Schikanierungen bei der Ankunft im Lager und vom Alltag der Häftlinge, der geprägt war von Hunger, harter Arbeit im Steinbruch sowie der Willkür und den Grausamkeiten der SS-Aufseher. Sie sahen die Genickschussecke, die Gaskammer, den Kühlraum für die Leichen und schließlich die Krematoriumsöfen. Spätestens im Raum der Namen, in dem die Namen aller namentlich bekannten Todesopfer des KZ Mauthausen aufgeführt sind, machte sich Betroffenheit und Nachdenklichkeit breit.

Zum Schluss besichtigten die Schüler und Lehrer noch den Steinbruch, um einen Eindruck von den Qualen der Lagerinsasssen zu erhalten, die hier mit Gesteinsbrocken beladen Schwerstarbeit leisten mussten. Beim Hinabsteigen der „Todesstiege“ machte sich auch ohne die Last der Gesteinsbrocken schnell Erschöpfung breit.